Ideenschmiede Daimler: Drei Einfälle alle zwei Minuten




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Ideenschmiede Daimler: Drei Einfälle alle zwei Minuten

Beitragvon Schaefca » Mo 22. Nov 2010, 16:23

Tach!

Ideenschmiede Daimler
Drei Einfälle alle zwei Minuten

Böblingen - Von der Idee bis zum fertigen Auto vergehen sieben Jahre. In dieser Zeit arbeiten Hunderte Menschen an der Entwicklung mit - darunter auch Branchenfremde und Kunden. Doch wie stellen Autohersteller wie Daimler eigentlich sicher, dass die Ideen nie ausgehen?

Der Smart war seiner Zeit voraus, heißt es bei Daimler gern. Vor 30 Jahren haben Stuttgarter Autokonstrukteure einen Vorläufer des Stadtflitzers entworfen. Doch erst heute, im Zuge von Klimawandel und zunehmend verstopften Straßen, wird dem Zweisitzer größere Aufmerksamkeit zuteil.

Im Stuttgarter Daimler-Konzern ist der Smart Symbol für Innovation: Die Mitarbeiter der sogenannten Innovationswerkstatt sitzen seit ein paar Jahren auf Smart-Sitzen, dort sollen sie weitere Autos für die Zukunft erfinden. Nicht nur die Sitzgelegenheiten unterscheiden die Denkfabrik von gewöhnlichen Büros: Musik tönt durch den Raum, in Kombination mit Bewegung soll diese die Gedanken beflügeln. Die sind ebenso frei wie ihre Erzeuger - Mitarbeiter diskutieren an Stehtischen oder knien über Entwürfen auf dem Boden. "Wir sind die Exoten im Unternehmen", sagt der Leiter der Innovationswerkstatt, Peter Gödecke. Zu Anzug und Krawatte trägt er Dreitagebart und Igelfrisur.

Die Innovationswerkstatt ist Teil von Daimlers Customer Research Center (CRC), "weltweit einmalig" werde hier "psychologische Kundenforschung aus einem Guss" betrieben, sagt CRC-Chef Goetz Renner. Das beginnt bei der Frage, was Autofahrer in Zukunft überhaupt wollen - Antworten darauf holt sich Daimler jährlich von rund 1500 Gästen, die auf den Smart-Sitzen in Böblingen ihre Visionen schildern. Darunter sind Mercedes-Fahrer ebenso wie Kunden der Konkurrenz und Nicht-Autofahrer. 3000 weitere Kunden in Deutschland und in den USA werden online befragt, Meinungen aus neuen Wachstumsregionen wie China und Indien sollen bald hinzukommen. Nicht zuletzt schickt Daimler Testpersonen mit Leihautos auf die Straße - mit der Bitte, sich per Knopfdruck beim CRC zu melden, wenn ihnen etwas auffällt, "was das Leben leichter machen würde", sagt Renner.

Wetteifer um Ideen


Danach liegt es an Gödecke und seinem Team, die Bedürfnisse zu erfüllen. Dazu provoziere die Innovationswerkstatt "systematisch kreative Zufälle", erklärt der Chef der Denkfabrik. "Exotisch" geht es dabei für einen Autokonzern allemal zu: Daimler-Leute wetteifern gemeinsam mit Sportlern, Modedesignern und Zoologen um neue Ideen. Mal kritzeln sie unter Zeitdruck drei Gedanken in zwei Minuten an Stellwände, mal marschieren sie begleitet von Trommelwirbeln um einen Tisch und werfen mit Ideen beschriebene Karten in die Mitte. Motto: Je "explosiver" die Mischung der Denker, umso besser das Ergebnis. Dass einmal keine Innovation herauskommt, ist für Gödecke ausgeschlossen: "Uns fragt man, wenn man denkt, dass eigentlich gar nichts Neues mehr kommen kann."

Den Erfolg der Denkfabrik bestätigt die Patentstatistik. In 125 Jahren hat Mercedes-Benz über 80000 Ideen vor Nachahmern schützen lassen, das sind im Schnitt 640 jedes Jahr. Allein 2009 hat der Stuttgarter Autobauer mehr als 2000 Patente angemeldet, Kundenforschung und Denkfabrik existieren in der Form seit gut zwölf Jahren. Mittlerweile betrifft ein großer Teil der Entdeckungen alternative Antriebe, daneben schätzen Mercedes-Kunden vor allem Sicherheit und Komfort. Deshalb haben die Daimler-Exoten unter anderem einen Müdigkeitswarner erfunden, der eine Kaffeetasse ins Cockpit einblendet, sobald die Lenkung des Fahrers Müdigkeitssymptome aufweist. Und die Luxusmodelle S- und E-Klasse lassen sich mit dimmbarem Licht, einer Fußmassage für den Beifahrer oder Düften per Knopfdruck immer noch luxuriöser gestalten. Anregungen dafür holte sich die Kundenforschung übrigens bei Gästen von Wellnesshotels, sagt Renner. Außerdem haben Mitarbeiter auch schon Baumarktkunden beim Beladen ihres Kofferraums beobachtet, um herauszufinden, was praktisch ist. Zugute kommt der Denkschmiede, dass sich mit der Gesellschaft auch die Ansprüche ans Auto ändern. "Die junge Generation legt weniger Wert auf Fahrdynamik und mehr auf digitale Anbindung", nennt Renner ein Beispiel. Zum Glück: "Wir haben noch jede Menge Aufgaben."

Bis neue Ideen im fertigen Produkt umgesetzt werden, vergehen rund sieben Jahre, mit dem für 2016 geplanten E-Klasse-Modell beschäftigt sich Gödeckes Team bereits seit 2009. Ausprobiert werden Neuheiten vielfach zunächst in Simulatoren, bevor Daimler-Piloten diese auf der Straße testen. Das ist eine Innovation an sich: Ein jüngst in Betrieb genommener Fahrsimulator in Sindelfingen soll dem Autobauer künftig eine Generation an Prototypen ersparen. Denn Fahrdynamik und Komfortverhalten werden bis zu 16 Monate lang zunächst im Simulator getestet und per Softwareprogrammierung immer wieder nachjustiert. Da sich der Simulator zwölf Meter von rechts nach links bewegen und zudem neigen kann, fühlen sich etwa Spurwechsel auch bei der virtuellen Probefahrt realistisch an. In benachbarten Anlagen bremst das Testfahrzeug eigenständig vor einem Hindernis oder passt das Fernlicht automatisch dem Gegenverkehr an. Vor- und Nachteile von elektronischen Hilfen sind so schon im virtuellen Versuch erkennbar - auch wenn die Tester diesmal nicht im Innovationssymbol Smart, sondern in einem Luxus-Mercedes sitzen.
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